Einen Gesamtüberblick bietet der Vortrag „Projekt proRotation“. Die detaillierten Beschreibungen und Ergebnisse sind im Tagungsbeitrag bzw. Abschlussbericht enthalten.
1. Aufwandsarme Erhebung von Beanspruchungen und Generierung von Mitarbeiter- und Arbeitsplatzprofilen
Bisherige Ansätze zur objektiven Belastungsermittlung sind nur mit hohem Aufwand und in der Regel nur von Experten zu erheben sind. Aus diesem Grund wurde ein Beanspruchungsmonitor in Form eines Fragebogens entwickelt, mit dem die subjektiven Beanspruchungen der Mitarbeiter aufwandsarm ermittelt werden.
Damit können Unternehmen:
- subjektive Arbeitsbelastungen einfach erfassen
- Mitarbeiterprofile und Arbeitsplatzprofile erstellen
- eine fundierte Grundlage für die Job Rotation schaffen
Ziel ist es, gezielt zwischen Belastungsspitzen und Entlastungsphasen zu wechseln.
Diese Berechnung erfolgt mittels einfacher Mittelwertbildung und ist im Vortrag zur Projektvorstellung beschrieben.
Die Arbeitsplatzprofile dienen im nächsten Schritt als Basis für die Planung der Job-Rotation mit dem Ziel eines Wechsels von Beanspruchungsspitzen zu Beanspruchungstälern. Projekt proRotation
2. Objektive Messung von Beanspruchungen
Zur genaueren Identifikation von Belastungsspitzen jenseits der subjektiven Aussagen in den Fragebögen, wurde ein lichtbasierter Sensor zur Herz- und Hautleitfähigkeitsmessung beschafft (ähnlich einer Smartwatch, aber datenschutzkonform und mit öffentlich zugänglicher Dokumentation). Dieser Sensor wurde hinsichtlich Genauigkeit in einer Laborstudie ausführlich validiert und anschließend im Arbeitsalltag parallel zu den Fragebögen eingesetzt. Ergebnisse zeigten die Eignung zur Erfassung von Puls und Herzratenvariabilität.
Die Analyse der Daten aus dem Arbeitsalltag erfolgte basierend auf den systematischen Auswertungen im Labor und wurde für jeden Mitarbeitenden individuell und automatisiert durchgeführt.
Diese Arbeitsbelastungsprofile erlauben langfristig eine objektive und zeitlich hochauflösende Profilerstellung zur Identifikation von Stressoren und der Optimierung von Rotationsplänen unter Berücksichtigung individueller, kognitiver Auslastung. Abschlusskonferenz ProRotation IAT Universität Stuttgart
3. Vorgehensmodell zur Planung und Einführung einer beanspruchungsgerechten Rotation
Aus den Erfahrungen bei der Planung und Einführung der Job-Rotation, in den beiden Anwender-Unternehmen PR-Tronik und Wachendorff, wurde eine Vorgehensweise entwickelt. Planung der Rotation
Diese beinhaltet eine Vorgehensweise zur Einführung der Rotation. Beginnend mit einem Quick-Check zur schnellen Ermittlung der Potentiale und Hindernisse für eine Rotation. Damit können Unternehmen aufwandsarm ermitteln, ob die Potenziale und Hindernisse für eine beanspruchungsgerechte Job-Rotation jeweils groß oder klein sind. Eine grundlegende Erkenntnis war den Qualifizierungsaufwand direkt beim Quick-Check bereits grob abzuschätzen, da die Aufwände teilweise beträchtlich sind bzw. einen langen Zeitraum benötigen, um alle Mitarbeiter auf den zukünftigen Arbeitsplätzen zu schulen.
Die einzelnen Projektphasen werden beschrieben und durch die im Projekt entwickelten Tools ergänzt. Zudem werden zentrale Erkenntnisse und praxisnahe Hinweise zur erfolgreichen Planung der Job Rotation dargestellt. So haben sich zum Beispiel Probe-Rotationstage und -wochen bewährt, bevor eine tägliche Rotation eingeführt wird. Zum einen um die Mitarbeiter langsam an die neuen Arbeitsplätze zu gewöhnen, zum anderen um weitere Optimierungspunkte für die Rotation zu erhalten.
4. Aufstellung eines Rotationsplans
Die Aufstellung eines beanspruchungsgerechten Rotationsplans ist sehr aufwendig. Insbesondere je mehr unterschiedlich beanspruchte Arbeitsplätze, je mehr Mitarbeiter und je mehr Mitarbeiter mit Einsatzeinschränkungen zu berücksichtigen sind.
Tests mit einer direkten Erstellung eines Rotationsplanes mittels KI-Tools wie chatgpt und anderen haben qualitativ nicht die erwünschten Ergebnisse gebracht. Die Antworten waren häufig falsch (Nicht-Einhaltung von KO-Kriterien, die genannt wurden) oder erfüllten nicht die geforderten Beanspruchungswechsel.
Daher wurden zwei „IT-Unterstützungen“ erarbeitet. Zum einen wurde ein Textprompt für die Eingabe in ein KI-Tool erarbeitet. Mittels Programmcode können viele alternative Rotationsplänen geniert und bewertet werden. Alternativ gibt es einen Programmcode in Matlab, der auf die jeweilige Situation angepasst werden kann. Damit kann man sich zuverlässige und hinsichtlich Beanspruchungswechsel geeignete Rotationspläne erstellen lassen. Projekt proRotation
Zum anderen das von der Firma Syslog erstellte Planungstool, das die Qualifikationen der Mitarbeiter abbildet und bei deren Einplanung berücksichtigt sowie die guten und schlechten Wechsel abbildet und bewertet, damit verschiedene Alternativen verglichen werden können. IT-Tool Fa. PR-Tronik
5. Datenschutz bei der Rotation
Da bei der Erhebung der Beanspruchsdaten medizinische Daten erfasst und verarbeitet werden und die Arbeitsorganisation grundlegend verändert wird, gilt zum einen dem Datenschutz sowie zum anderen der Einbindung des Betriebsrates eine besondere Aufmerksamkeit.
Die Kanzlei Krüger hat dafür zum einen ein Whitepaper für die Einführung einer Job-Rotation mit Hinweisen zur Einhaltung des Datenschutzes erstellt, zum anderen einen Leitfaden für die Geschäftsführung hinsichtlich Einbindung des Betriebsrates erstellt.
Beide Hilfsmittel unterstützen Unternehmen bei der rechtskonformen Umsetzung.
6. Erfahrungen der Anwenderunternehmen bei der Einführung und dem Betrieb einer Rotation
Die Erfahrungen und Ergebnisse der Rotationen in den Anwenderunternehmen Fa. PR-Tronik und Fa. Wachendorff sind in deren Vorträgen sowie im Tagungsbericht aufgeführt. Ergänzende Erfahrungen der Firma Schäfer, die nicht im geförderten Projekt proRotation integriert war, die wir als Fraunhofer bei deren Einführung einer beanspruchungsgerechten Rotation unterstützt haben, sind in deren Vortrag beschrieben.